Ein Blick auf die wichtigsten Entwicklungen
Wie verändert sich unser digitales Verhalten und welche Entwicklungen sollten Unternehmen jetzt im Blick behalten? Genau diesen Fragen geht der Digital 2027 Report von Meltwater nach. Mit weltweiten Daten und Analysen zeigt er, wie sich die Internetnutzung entwickelt, welche Technologien an Bedeutung gewinnen und wohin sich die digitale Welt bewegt. Besonders spannend wird es dort, wo diese Entwicklungen das Kundenverhalten beeinflussen. Wir haben uns diese drei Bereiche für euch genauer angeschaut: Künstliche Intelligenz, E-Commerce und Social Media. Welche Trends stecken hinter den Zahlen? Und welche Erkenntnisse lassen sich daraus für Unternehmen ableiten?
Künstliche Intelligenz: Vom Experiment zum alltäglichen Werkzeug
Künstliche Intelligenz ist für viele Menschen längst Teil des digitalen Alltags. Besonders verbreitet ist die Nutzung bei jüngeren Generationen. Weltweit verwenden über 90 % der befragten Internetnutzer zwischen 16 und 24 Jahren mindestens einmal im Monat KI-Tools. Doch auch bei den 45- bis 54-Jährigen liegt die Nutzung bei über 80 %. Erst in den höheren Altersgruppen fällt sie deutlich ab.
Interessant ist vor allem, wofür Menschen KI einsetzen. 60,4 % der aktiven KI-Nutzer verwenden entsprechende Anwendungen zur Informationsbeschaffung, 40,6 % suchen Unterstützung bei Problemen und 38,4 % nutzen sie zum Lernen. Auch kreative Aufgaben spielen eine Rolle: 35,5 % erstellen oder bearbeiten mit KI Bilder und Videos.
Auch die Nutzung konkreter KI-Anwendungen nimmt zu. Der Anteil der Internetnutzer, die ChatGPT innerhalb eines Monats verwenden, stieg von 18,5 % im zweiten Quartal 2024 auf 34,7 % im zweiten Quartal 2026. Gleichzeitig gewinnen weitere Anbieter an Bedeutung. Gemessen an den monatlich aktiven Nutzern mobiler Apps erreicht Gemini im August 2026 einen Indexwert von 32,1 gegenüber ChatGPT mit 100. Dahinter folgen Copilot mit 16,66 und Claude mit 14,79 .
Die Zahlen verdeutlichen, wie fest KI bereits im digitalen Alltag verankert ist. Besonders die Nutzung zur Informationsbeschaffung zeigt, dass KI zunehmend auch dort eine Rolle spielt, wo Menschen nach Antworten und Orientierung suchen.
E-Commerce: Der Onlinehandel wird mobiler
Während sich die Informationssuche verändert, entwickelt sich auch der Onlinehandel weiter. Der weltweite Umsatz mit online verkauften Konsumgütern wird für 2026 auf rund 3,86 Billionen US-Dollar geschätzt. Gleichzeitig kaufen weltweit 55,7 % der Internetnutzer mindestens einmal pro Woche Produkte oder Dienstleistungen online .
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklung ist das Smartphone. 53,1 % des weltweiten Onlineumsatzes mit Konsumgütern sollen 2026 auf Käufe über Smartphones entfallen. Damit wird inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes über mobile Geräte erzielt .
Für Onlinehändler bedeutet das: Der Kaufprozess muss konsequent auf die mobile Nutzung ausgerichtet sein. Gerade auf kleinen Bildschirmen können komplizierte Formulare, unübersichtliche Warenkörbe oder zusätzliche Schritte beim Bezahlen schnell zum Hindernis werden. Entscheidend ist deshalb, dass Produktauswahl, Verfügbarkeitsprüfung und Bezahlung reibungslos ineinandergreifen. Dafür müssen nicht nur die Benutzeroberflächen, sondern auch die dahinterliegenden Shop-, Warenwirtschafts- und Zahlungssysteme zuverlässig zusammenspiele
Social Media: Wo Produkte entdeckt und Marken wahrgenommen werden
Soziale Netzwerke sind ein fester Bestandteil des digitalen Alltags. Weltweit zählt der Digital 2027 Report rund 5,81 Milliarden Social-Media-Nutzeridentitäten. Das entspricht einem Anstieg von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr. Durchschnittlich verbringen Nutzer 19 Stunden und 18 Minuten pro Woche auf sozialen Plattformen, einschließlich Videoinhalten. Im Monatsdurchschnitt nutzen sie 6,66 verschiedene Plattformen .
Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um Unterhaltung und Kommunikation. 26,9 % der Social-Media-Nutzer suchen dort nach Inspiration für Aktivitäten und Einkäufe. Weitere 26,4 % nutzen soziale Netzwerke gezielt, um Produkte zu entdecken .
Wie stark sich die Nutzung zwischen den Plattformen unterscheidet, zeigen die Aktivitäten der Nutzer. Auf Instagram beschäftigen sich 62,3 % der aktiven Nutzer mit Marken und Produkten, auf TikTok sind es 59,3 %. Bei Pinterest liegt dieser Anteil bei 35,9 %. Auch die Nutzungsdauer unterscheidet sich: TikTok-Nutzer verbringen durchschnittlich 1 Stunde und 55 Minuten täglich in der App, Instagram-Nutzer 1 Stunde und 40 Minuten .
Welche Plattformen erreichen welche Zielgruppen?
Milliarden Menschen nutzen soziale Netzwerke. Doch welche Plattformen gewinnen an Bedeutung und wo verändern sich die Zielgruppen? Ein Blick auf die potenziellen Werbereichweiten zeigt zunächst die Größenverhältnisse: YouTube liegt mit rund 2,77 Milliarden weltweit an der Spitze. Dahinter folgen TikTok mit 2,33 Milliarden, Facebook mit 2,32 Milliarden und Instagram mit 1,96 Milliarden potenziell erreichbaren Werbezielgruppen. LinkedIn weist 1,55 Milliarden registrierte Mitglieder aus. Da die Plattformen ihre Reichweiten unterschiedlich erfassen, sind die Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar.
Spannender wird es beim Wachstum. Während TikToks ausgewiesene Werbereichweite innerhalb eines Jahres um 17,4 % zulegte, wuchs YouTube um 7,3 %. Facebook verzeichnete dagegen einen leichten Rückgang von 1,1 %. Die Zahlen erlauben allerdings keine direkten Rückschlüsse auf die tatsächliche Entwicklung der Nutzerzahlen.
Auch Reddit fällt mit deutlichem Wachstum auf. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl der wöchentlich aktiven Nutzer von 342 auf rund 515 Millionen. Weltweit nutzen inzwischen 13,5 % der befragten Internetnutzer ab 16 Jahren die Plattform mindestens einmal im Monat. Besonders interessant ist der Ländervergleich: Während Reddit in den USA von 34,9 % monatlich genutzt wird, sind es in Deutschland 13,1 % .
Neben dem Wachstum unterscheiden sich die Plattformen auch in ihren Zielgruppen. Instagram und TikTok sind besonders bei den 16- bis 24-Jährigen beliebt, während Facebook bei den 45- bis 64-Jährigen häufiger als bevorzugte Plattform genannt wird.
Die Zahlen zeigen, dass eine große Reichweite allein noch wenig über die passende Zielgruppe aussagt. Welche Plattform für Unternehmen interessant ist, hängt deshalb auch davon ab, wen sie erreichen möchten.
Social Commerce: Wenn aus Produktentdeckung ein Kauf wird
Social Commerce verbindet soziale Netzwerke mit dem Onlinehandel. Produkte werden auf Plattformen entdeckt, beworben und können teilweise direkt dort gekauft werden. Laut dem Digital 2027 Report sollen 2026 weltweit26 % der Internetnutzer über Social Commerce einkaufen. In Deutschland liegt dieser Wert mit 20,9 % darunter. Auch innerhalb Europas gibt es Unterschiede: Während Großbritannien 36,9 % erreicht, liegen die Schweiz bei 24,9 % und Österreich bei 17 %.
Auch wirtschaftlich gewinnt der Vertriebskanal an Bedeutung. Das weltweite Marktvolumen soll 2026 rund 586 Milliarden US-Dollar erreichen. Gegenüber den geschätzten 503 Milliarden US-Dollar des Vorjahres entspricht das einem Wachstum von rund 16 %. Gleichzeitig steigen die prognostizierten durchschnittlichen Jahresausgaben pro Käufer von 327 auf 348 US-Dollar.
Doch soziale Netzwerke sind längst nicht mehr der einzige zusätzliche Zugang zu Produkten. Auch KI-Anwendungen verändern die Produktsuche. Der Report zeigt, dass bereits 31,6 % der 16- bis 24-jährigen Internetnutzer KI zur Recherche von Marken und Produkten einsetzen. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es 28,3 %. Damit entsteht neben Suchmaschinen, Onlineshops und sozialen Netzwerken ein weiterer Weg, über den potenzielle Kunden auf Angebote aufmerksam werden können.
Für Onlinehändler erweitert sich damit die Zahl der Kontaktpunkte entlang der Customer Journey. Produkte können über unterschiedliche Kanäle entdeckt werden, während der eigentliche Kauf an anderer Stelle stattfindet. Damit Kunden überall auf verlässliche Informationen zugreifen können, braucht es eine konsistente Datenbasis für Produktinformationen, Preise und Verfügbarkeiten.
Besonders deutlich wird das bei der Bestandsverwaltung: Wird ein Artikel über einen Social-Commerce-Kanal verkauft, muss diese Änderung auch in der Warenwirtschaft und im Onlineshop berücksichtigt werden. Andernfalls können widersprüchliche Verfügbarkeitsangaben oder Probleme bei der Bestellabwicklung entstehen. Zentrale Produktdaten, zuverlässige Schnittstellen und automatisierte Prozesse helfen dabei, zusätzliche Verkaufskanäle in die bestehende Systemlandschaft einzubinden.
Fazit: Was der Digital 2027 Report für Unternehmen bedeutet
Der Digital 2027 Report zeigt, wie sich das digitale Kundenverhalten verändert. KI ist fester Bestandteil bei der Informations- und Produktsuche, der Onlinehandel verlagert sich weiter auf Smartphones und soziale Netzwerke entwickeln sich zu zusätzlichen Verkaufskanälen.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem, die eigene Customer Journey neu zu betrachten. Wer Produkte ausschließlich über klassische Suchmaschinen und den eigenen Onlineshop sichtbar macht, berücksichtigt möglicherweise nicht mehr alle relevanten Kontaktpunkte. KI-gestützte Recherche und Social Commerce sollten deshalb bei der Kanalstrategie mitgedacht werden.
Auch der Kaufprozess verdient Aufmerksamkeit. Wenn mehr als die Hälfte des weltweiten Onlineumsatzes über Smartphones erzielt wird, sollten Unternehmen prüfen, wie einfach sich Produkte mobil finden, auswählen und kaufen lassen. Dabei zählt nicht nur die Darstellung auf kleinen Bildschirmen, sondern der gesamte Ablauf bis zum Kaufabschluss
Neue Verkaufskanäle stellen auch neue Anforderungen an die IT-Systeme. Damit Produktdaten, Preise und Bestände überall aktuell bleiben, müssen Onlineshop, Warenwirtschaft und weitere Anwendungen zuverlässig miteinander kommunizieren. Die passenden Schnittstellen schaffen dafür die Grundlage.