Onlineshop auf den Digitalen Produktpass vorbereiten

Digitaler Produktpass: 6 Schritte, die Onlinehändler jetzt angehen sollten

  • Ellen Beiker
  • 06.08.2026
Digitaler Produktpass Praxis Onlineshop Commerce
Person am Schreibtisch arbeitet konzentriert an einem Computerbildschirm in einem Büro.

Was Onlinehändler jetzt sinnvoll vorbereiten können

Onlinehändler müssen noch keine Lösung für ihr gesamtes Sortiment einführen. Sie sollten aber bereits heute klären, welche Produkte betroffen sein können, welche Daten vorliegen und wie diese später zuverlässig in den Onlineshop gelangen.

Welche Angaben ein Digitaler Produktpass enthalten muss und wie der Zugriff im Shop aussehen soll, hängt von den Vorgaben für die jeweilige Produktgruppe ab. Eine frühzeitige Bestandsaufnahme schafft bereits jetzt Orientierung. Sie zeigt, wo Daten fehlen, welche Lieferanten eingebunden werden müssen und ob die eigene Systemlandschaft vorbereitet ist.

Die Grundlagen erklären wir im Beitrag „Digitaler Produktpass: Bedeutung für den E-Commerce“.

1. Betroffene Produkte und die eigene Marktrolle bestimmen

Die Aufgaben eines Onlinehändlers hängen von seiner Rolle in der Lieferkette ab. Ein Händler, der Markenprodukte von einem europäischen Hersteller bezieht, steht vor anderen Fragen als ein Direktimporteur oder ein Unternehmen mit eigener Marke.

Ordnen Sie Ihre Rolle deshalb für jede relevante Produktgruppe separat zu. Halten Sie fest, welcher Wirtschaftsakteur das Produkt in Verkehr bringt oder erstmals auf dem europäischen Markt bereitstellt. Dokumentieren Sie außerdem, wer nach den geltenden Vorgaben für Erstellung, Registrierung und Pflege des Produktpasses verantwortlich ist.

Priorisieren Sie anschließend das Sortiment. Für bestimmte Fahrzeug-, Industrie- und Speicherbatterien wird der Batteriepass am 18. Februar 2027 verpflichtend. Dazu zählen unter anderem Batterien für E-Bikes, E-Scooter und Elektrofahrzeuge.

Das Ergebnis ist eine priorisierte Produktliste mit Marktrolle und verantwortlichem Wirtschaftsakteur.

2. Produktdaten und Datenlücken erfassen

Für den Digitalen Produktpass müssen Informationen eindeutig einem Produkt zugeordnet, aktuell gehalten und technisch weitergegeben werden können.


Prüfen Sie zunächst, welche Daten bereits vorhanden sind:

  • Artikelnummern und eindeutige Produktkennungen
  • Hersteller und verantwortliche Wirtschaftsakteure
  • technische Eigenschaften
  • Materialien und Bestandteile
  • Sicherheitsinformationen
  • Gebrauchs-, Wartungs- und Reparaturhinweise
  • Informationen zu Ersatzteilen, Wiederverwendung und Recycling

Erfassen Sie zu jedem relevanten Datenpunkt die Quelle, das Format und die zuständige Stelle. Unterscheiden Sie zwischen strukturierten Daten, Informationen in Dokumenten und tatsächlich fehlenden Angaben.

Daten in einer PDF-Datei müssen technisch aufbereitet werden. Fehlende Informationen müssen dagegen erst beim Hersteller oder Lieferanten beschafft werden.

Für den Einstieg genügt eine einfache Übersicht mit Datenpunkt, Quelle, Format, Zuständigkeit und erkennbaren Lücken.

3. Datenbereitstellung mit Lieferanten klären

Ohne Hersteller und Lieferanten lassen sich viele DPP-Informationen nicht bereitstellen. Fragen Sie nicht allgemein nach der DPP-Bereitschaft, sondern nach Produktkennung, Datenformat, Aktualisierung und technischem Kontakt.

Klären Sie außerdem, wer den Produktpass erstellt und wie Ihr Unternehmen den zugehörigen Verweis erhält. Die Bereitstellung kann beispielsweise über eine API, einen strukturierten Datenfeed oder einen Weblink erfolgen.

Für Produkte, auf die entsprechende DPP-Vorgaben anwendbar sind, muss der verantwortliche Wirtschaftsakteur Händlern und Online-Marktplätzen die vorgesehenen Zugriffsinformationen bereitstellen.

Onlinehändler benötigen dafür einen festen Ablauf. Dokumentieren Sie, wer die Daten anfordert, wer die Zuordnung prüft und wie bei fehlenden oder fehlerhaften Verweisen vorzugehen ist.

4. ERP, PIM und Onlineshop prüfen

Im Shop muss jeder DPP-Verweis eindeutig dem richtigen Produkt und der richtigen Variante zugeordnet sein. Dafür müssen ERP, PIM und Shop zusammenarbeiten.


Der Systemcheck sollte sich auf fünf Fragen konzentrieren:

  • Ist jedes relevante Produkt eindeutig identifizierbar?
  • Welches System führt die benötigten Produktdaten?
  • Kann ein DPP-Verweis automatisiert übernommen werden?
  • Funktioniert die Zuordnung auch bei Produktvarianten?
  • Werden fehlerhafte oder nicht erreichbare Verweise erkannt?

Je nach Produktvorgabe kann ein Produktpass für ein Modell, eine Charge oder einen einzelnen Artikel gelten. Die Systeme sollten Verweise deshalb je nach Vorgabe auf Modell-, Chargen- oder Artikelebene speichern können.

Solange für eine Produktgruppe noch keine konkreten Darstellungsanforderungen vorliegen, muss das Layout im Shop nicht endgültig feststehen. Sinnvoll ist eine flexible Komponente, über die ein DPP-Verweis zentral gepflegt und auf der passenden Produktdetailseite angezeigt wird.

5. Den Digitalen Produktpass im Onlineshop testen

Testen Sie den Ablauf zunächst mit einer Produktgruppe und einem Lieferanten. So werden Datenlücken und fehlerhafte Zuordnungen sichtbar, bevor ein größeres Projekt startet.

Ein E-Bike-Händler könnte dafür ein einzelnes Batteriemodell auswählen. Der Pilot prüft, ob die Produktkennung eindeutig im PIM gespeichert ist, der Verweis vom Lieferanten übernommen wird und bei der richtigen Variante erscheint.

Testen Sie außerdem Aktualisierungen und typische Fehlerfälle. Funktioniert der Verweis nach einer Änderung noch? Erkennt das System ungültige oder nicht erreichbare Links? Bleibt die Zuordnung zum richtigen Produkt erhalten?

Seit dem 20. Juli 2026 stehen das europäische DPP-Register und eine Testumgebung zur Verfügung. Verantwortliche Wirtschaftsakteure können dort Registrierungsprozesse und technische Abläufe erproben.

Für noch nicht regulierte Produktgruppen muss der Pilot keinen vollständigen Produktpass abbilden. Er soll zeigen, wo Daten fehlen und welche Abläufe angepasst werden müssen.

6. Verantwortung im Unternehmen festlegen

Der Digitale Produktpass betrifft Einkauf, Produktmanagement, E-Commerce, IT und Compliance. Trotzdem braucht das Thema eine federführende Stelle.


Eine mögliche Aufgabenverteilung:

  • Einkauf klärt die Datenbereitstellung.
  • Produktmanagement verantwortet die Produktdaten.
  • E-Commerce und IT kümmern sich um Integration und Darstellung.
  • Recht oder Compliance bewertet regulatorische Anforderungen.

Eine benannte Person sollte die Ergebnisse zusammenführen, Entscheidungen dokumentieren und neue Vorgaben für die tatsächlich relevanten Produktgruppen verfolgen. So bleiben offene Aufgaben und Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet.

Was Onlinehändler noch nicht umsetzen sollten

Eine einheitliche DPP-Datenstruktur für sämtliche Sortimente ist derzeit ebenso wenig sinnvoll wie vorsorglich erzeugte QR-Codes ohne konkrete Pflicht.

Auch die Auswahl einer DPP-Plattform sollte nicht am Anfang stehen. Erst müssen Marktrolle, Produktvolumen, Datenquellen und Integrationsbedarf geklärt sein. Sonst wird eine technische Lösung ausgewählt, bevor die tatsächlichen Anforderungen feststehen.

Eine Frau sitzt lächelnd vor einem Computer in einem hellen Raum mit Fenstern.

Fazit: Erst die Daten klären, dann die Lösung auswählen

Der sinnvollste Einstieg ist eine gemeinsame Bestandsaufnahme von Sortiment, Produktdaten, Lieferanten und Systemen. Erst danach lässt sich beurteilen, welche technische Lösung tatsächlich benötigt wird.

Für zahlreiche Produktgruppen sind Pflichtfelder, Fristen und Anforderungen an die Darstellung noch offen. Systeme sollten deshalb neue Datenfelder und Verweise aufnehmen können, ohne dass Produktseiten einzeln angepasst werden müssen.

Wer Produkte, Datenquellen und Zuständigkeiten jetzt transparent macht, kann spätere Vorgaben gezielt umsetzen. Ein großes DPP-Projekt ist dafür noch nicht erforderlich.


Der Digitale Produktpass wird nicht die letzte regulatorische oder technische Anforderung an den E-Commerce sein. Entscheidend ist deshalb weniger die einzelne Vorgabe als eine Shop- und Datenarchitektur, die sich an neue Anforderungen anpassen lässt.

Genau dabei unterstützen wir Unternehmen: Wir entwickeln Onlineshops und digitale Plattformen so weiter, dass sie auch zukünftige Anforderungen zuverlässig abbilden können.

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